Dolomit | Kalk- (Dolomit-) Brennofen
Fotos und Texte S. Graeser

Dolomit
Der Dolomit ist – dank seiner oft schneeweissen Farbe, aber auch dank seiner speziellen Mineralien – wohl das charakteristische Gestein des Binntales. Er durchzieht das Tal in mehreren mehr oder weniger parallel verlaufenden Schichten von unterschiedlicher Mächtigkeit, Farbe und Beschaffenheit. An gewissen Stellen kann er mehr als 100 Meter mächtig werden; er ist entweder weiss (reiner Dolomit), braun (durch Phlogopit verfärbt) oder grau (durch Beimengung von Kohlenstoff in Form von Graphit) gefärbt. Er kann als kompakter Dolomit-Marmor vorliegen, typischer ist allerdings die bekannte „zuckerkörnige“, in den Fingern zerreibbare Ausbildung.

Mineralogische Zusammensetzung
Reiner weisser Dolomit besteht zu über 90% aus dem Mineral Dolomit, daneben wenig Quarz, Feldspäten und Glimmer. Vielerorts (am Lengenbach, im Turtschi, etc.) kann man jedoch schichtparallele Einlagerungen von goldgelber Farbe (Pyrit), grauschwarzer (Galenit, Bleiglanz) oder gelbbrauner Farbe (Sphalerit, Zinkblende) beobachten. Diese Sulfid-Mineralien wurden gleichzeitig (synsedimentär) mit dem übrigen Sediment am Meeresboden abgelagert (daher parallele Schichten).

Entstehung
Der Dolomit wurde ursprünglich als Kalk am Meeresboden abgelagert, wo er sich im Lauf der Zeit mit dem im Meerwasser vorhandenen Magnesium anreicherte und so zu Dolomit wurde. Während der Alpenfaltung wurde das Sediment in die Monte-Leone-Decke eingefaltet und zu dem jetzigen Gestein umgewandelt. Dabei wurde u.a. der hellbraune Mg-Glimmer Phlogopit neu gebildet.

Alter
Das heute als Dolomit vorliegende Gestein wurde vor rund 200 Mio Jahren als Sediment abgelagert.

Kluft-Mineralien
Klüfte sind im Dolomit häufig zwar vorhanden, bezüglich Mineralien aber eher unbedeutend; die interessanten Lengenbach-Mineralien finden sich hauptsächlich in Hohlräumen, die durch hydrothermale Lösungen entstanden sind (Drusen).

  • Klüfte: Dolomit, Calcit, Quarz, Glimmen
  • Drusen (Lengenbach, Turtschi, u.a.): Sulfid- und Sulfosalz-Mineralien,
    Dolomit, etc.

Längere Bildkante entspricht etwa etwa 2-3 mm. Probe SG1242

Gesteinsdünnschliff Dolomit (Galen):Hauptanteil (>90%!) sind bräunliche bis graue Körner, häufig mit parallelen Leisten (Spaltbarkeit, Translation) von Dolomit. Kleine rundliche Körner von weisser bis graauer Farbe sind Quarze. Sehr seltene blaue Leisten sind Glimmer (Phlogopit).


Kalk- (Dolomit-) Brennofen

Seit rund 1000 Jahren wird in Mitteleuropa Kalk-Gestein zu Kalk-Mörtel gebrannt. In vielen Regionen der Zentral-Alpen steht jedoch kein Kalk in genügender Reinheit zur Verfügung um Mörtel herzustellen (Oberwallis, Tessin, Graubünden). Findige Leute kamen schon früh auf die Idee, anstelle des fehlenden Kalk-Gesteins den massenhaft vorhandenen Dolomit zu brennen - und waren damit sehr erfolgreich! Der Magnesium-haltige Mörtel erwies sich, wie neueste Experimente ergaben, sogar als resistenter als der normale Kalk-Mörtel!
Der Brennvorgang ist um einiges komplizierter als mit reinem Kalk, da während des Brennvorganges das im Dolomit vorhandene Magnesium zum grössten Teil entfernt werden musste. Das Wissen um diesen Brennprozess ist weitgehend verloren gegangen und musste in mühsamer Kleinarbeit wieder erarbeitet werden (z. B. GREASER, 1994, 1998). Der Prozess könnte etwa folgendermassen vor sich gegangen sein.

Dolomitbrennen: Ausgangsmaterial Dolomit = CaMg(CO3)2

1.)    CaMg(CO3)2+2H2O — CaCO3+Mg(OH)2+CO2

2.)  
 CaCO3+Mg(OH)2+CO2 CaO+Mg(HCO3)2

1.) In einem ersten Schritt entsteht beim Brennen aus dem (zuckerkörnigen), wasserhaltigen Dolomit ein hartes, blau gefärbtes “Gestein” als Zwischenprodukt, das aus dem Mineralien Calcit und Brucit besteht.

2.) Bei Fortsetzung des Brennvorganges gibt der Calcit CO2 ab, der Brucit Mg(OH)2 nimmt wieder CO2 auf und geht in das wasserlösliche Bikarbonat Mg(HCO3)2 über, womit das Magnesium grösstenteils ausgewaschen werden kann. Endprodukt ist (Mg-haltiger) “Brandkalk” CaO, der - mit Wasser gemischt - den gelöschten Kalk (Mörtel) liefert.

Der Ofen fasst ca. 3 m3 Dolomit-Gestein zum Brennen. Die im Boden eingelassenen Wände des Ofens mussten als Trockenmauern (ohne Mörtel!) konstuiert werden, da bei dem mehrtägigen Brennvorgang jeglicher Mörtel zerstört worden wäre.

Der Brennofen am Messerbach wurde bis Ende des 19. Jahrhunderts verwendet. Um ihn vor dem Zerfall zu retten, wurde er 1991 von der Universität Basel (mit Unterstützung der Schweiz. Gesellschaft für historische Bergbauforschung) ausgegraben und restauriert.


Kalkofen” = Dolomit-Brennofen (Messerbach) Zustand nach der Restaurierung durch die Uni Basel (S. Graeser u. Mitarbeiter) Sept. 1991


Gebranntes Dolomit-Stück im Anschliff,
Breite des Stückes 7,5 cm


(Beide Fotos F. Dreier)

 
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