Ortho- | Para-Gneise
Fotos und Texte S. Graeser

Ortho-Gneis
Als Gneise werden Gesteine bezeichnet, die durch einen Metamorphose-Vorgang (unter erhöhten Temperaturen/Drucken, z.B. als Folge der Alpenfaltung) mehr oder weniger stark umgewandelt wurden. War das Ausgangsmaterial ein magmatisches Gestein (z.B. ein Granit, etc.), so wird das Umwandlungsprodukt als Ortho-Gneis bezeichnet. Solche Gesteine zeichnen sich vor allem durch reichlich Quarz und Kalifeldspat (Orthoklas), niedrigen Gehalt an Glimmer (Biotit, Muskovit) und Abwesenheit von Granat aus. Eine eindeutige Unterscheidung zwischen Ortho- und Paragesteinen erfordert aufwendige Untersuchungen (Isotopen-Bestimmung).

Im Binntal treten solche Gesteine vor allem im Zentrum der Monte-Leone-Decke auf, vom Ofenhorn bis zum Hüllehorn. Ortho-Gneise besitzen meist eine sehr helle Farbe (bedingt durch einen hohen Feldspat-Gehalt und wenig dunkle Mineralien wie Biotit), häufig sind die Orthoklas-Feldspäte zu "Augen" vergrössert (mit einem Durchmesser von 2-3 cm; Augengneis). Neben den Augengneisen kommen aber auch feinkörnige Gneise vor, die vermutlich ebenfalls "Ortho"-Charakter besitzen.

Mineralogische Zusammensetzung
Quarz, Kalifeldspat (Orthoklas), Albit, Muskovit, Biotit, Epidot, etc. Quarz und Feldspäte überwiegen sehr stark und sind verantwortlich für die helle Farbe des Gesteins. Stellenweise (z.B. in der Region Cherbadung) enthalten diese Gesteine reichlich Erz-Mineralien (Tennantit, Chalkopyrit, Arsenopyrit, etc.), die unter Einwirkung der Metamorphose remobilisiert wurden und zur Bildung höchst ungewöhnlicher Arsenit- und Arsenat-Mineralien führten.

Entstehung
Vermutlich handelt es sich bei diesen Gesteinen um ursprünglich magmatische Gesteine (Granite; neuere Untersuchungen deuten auf das vulkanische Äquivalent Rhyolith), die während der alpinen Gebirgsbildung aufgefaltet und zu Gneisen umgewandelt wurden.

Alter
Eine radiometrische Altersbestimmung nach der Sr-Isochronen-Methode (1969) lieferte (umgerechnet nach modernen Zerfallskonstanten) ein Alter von etwa 270 Mio Jahren.

Kluft-Mineralien
Die Ortho-Gneise weisen Klüfte auf, die vor allem Quarz (Rauchquarz, selten Amethyst), Adular, Albit, Hämatit, Magnetit, seltener Rutil, Anatas und Titanit enthalten.

Die vererzten Partien (Region Cherbadung) lieferten dank der metamorphen Remobilisation zahlreiche z.T. einzigartige Arsenit- und Arsenat-Mineralien wie Asbecasit, Cafarsit, Cervandonit, Fetiasit, Gasparit, etc.


Längere Bildkante entspricht etwa etwa 2-3 mm. Probe SG1242

Gesteinsdünnschliff Orthogneis (Wannigletscher):
Hauptanteil (kleine Körner, weiss-grau-schwarz) macht Quarz aus. Grosse Körner, z. T. mit parallelen Linien (=Zwillingslamellen) sind Feldspäte (Kalifeldspat und
Albit). Leisten-förmige bräunliche Kristalle sind Glimmer-Mineralien (Biotit).


Para-Gneis
Als Gneise werden Gesteine bezeichnet, die durch einen Metamorphose-Vorgang (unter erhöhten Temperaturen/Drucken, z.B. als Folge der Alpenfaltung) mehr oder weniger stark umgewandelt wurden. War das Ausgangsmaterial ein sedimentäres Gestein (z. B. Sandstein, Kalk, etc.), so wird das Umwandlungsprodukt als Para-Gneis bezeichnet. Solche Gesteine zeichnen sich vor allem durch reichlich Glimmer-Mineralien (Biotit, Muskovit), das Auftreten von Granat und niedrige Gehalte an Kalifeldspat (Orthoklas) aus. Eine eindeutige Unterscheidung zwischen Ortho- und Para-Gesteinen erfordert aufwendige Untersuchungen (Isotopen-Bestimmungen).

Im Binntal treten solche Gesteine vor allem in der Grenz-Zone gegen die Sediment-Bedeckung (vor allem Dolomit) auf. Vielerorts besitzen sie eine ausgesprochen schiefrige Beschaffenheit, sodass sie als Schiefer bezeichnet werden können. Para-Gneise sind i.a. wesentlich dunkler gefärbt als Ortho-Gneise (wegen des hohen Biotit-Anteils).

Mineralogische Zusammensetzung
Glimmer (Biotit, Muskovit), Albit, Epidot, Granat, Amphibol; Orthoklas ist selten bis fehlend.

Entstehung
Es handelt sich um ehemalige Sedimente, die durch die Alpenfaltung in Gneise und Schiefer umgewandelt wurden.

Alter
Nicht bestimmbar; i.a. dürften sie ein höheres Alter aufweisen als die vergesellschafteten Ortho-Gneise.

Kluft-Mineralien
Die Para-Gesteine, im speziellen etwa die "Lärcheltini-Gneise", beinhalten die berühmten Anatas-Magnetit-Fundstellen von Gorb, Spissen, Riggi, etc. (a). In den letzten 20 Jahren wurden zudem vergleichbare Arsen-Mineralien wie in der Region Cherbadung entdeckt (b), z.T. in eher besserer Ausbildung.

(a) Anatas, Rutil, Magnetit, Monazit, Xenotim, Hämatit, Adular, Quarz, etc.
(b) Asbecasit, Cafarsit, Cervandonit, Fetiasit, Graeserit; Tennantit, Arsenopyrit, etc.


Längere Bildkante entspricht etwa 2-3 mm.
Probe SG 1328

Gesteinsdünnschliff Paragneis = Granatschiefer (Kollergraben):
Grosses rundliches Korn, schwarz gefärbt, ist Granat (Almandin). Grosse blättrige Kristalle von bräunlich-rötlicher Farbe sind Biotite. Kleinere blättrige Kristalle, bläulich gefärbt sind Muskowite. Kristalle mit wechselnd grauer Farbe sind Quarz. Ähnlich grau gefärbt erscheint Albit.

Längere Bildkante entspricht etwa 2-3 mm.
Probe SG1474

Gesteinsdünnschliff Paragneis = Chloritschiefer (Mättital):
Schmutzig grün-graue Leisten sind Chlorit. Hellgrau erscheinen Quarz und Albit. Der Rest wird gebildet von bläulich gefärbten Leisten (Muskowit) und gelb-roten Kristallen (Biotit).

 

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